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Entscheidungen und ihre Folgen, das Meer und Oskar Weisheiten…

31. August 2010

„Und nur, weil ich so anders bin, als die drei  oder elf  anderen wichtigen  Menschen in Deinem Leben , rechtfertigt es noch immer und immer wieder  nicht, Dein derzeitiges Verhalten, vor allem das mir gegenüber, welches Du Spinner gerade an den Tag legst. Es ist besser Du gehst jetzt!“

Rrrrrrrrummms- die Tür, meine Wohnungstür, knallt ins Schloss. Oskar und ich auf der einen Seite.

Ein bedröppeltes Wesen auf der Anderen. Ich höre die Schritte im Treppenflur. Sie entfernen sich. Hmmm! Erschöpft lehne ich meine Stirn an die kühle Wand, Oskar in seiner Ecke tut so als ob er nichts sieht und nichts hört. Maniküre der Flügelspitzen einer Möwe. Hmmm– seufze ich erneut. Oskar verzieht keine Miene, unterbricht seine Arbeit nicht. „Hmmm- Oskar! Und nu?“

„Schätzelein, ich denke kiten gehen und ans Meer fahren.“ Ohne mit seiner Maniküre aufzuhören kommt die Antwort „Passend zur schlechten Gesamtsituation brauen sich auf der Nordsee gerade ein paar Windstärken jenseits der 5 zusammen. Ach und bevor Du,  mein Herz, mir ins Wort fällst- Ja! Sie tun es auch auf der Ostsee. Schatje;  der Windmann hat ein Einsehen mit Deinem  kleinen angebrochenen Herzchen .Lass uns das tun, was wir immer tun, wenn wir unfreiwilligerweise mal wieder dazu verdonnert wurden unsere Pfade alleine zu zweit entlangzuwandeln. Eine gute Session, ein besserer Rotwein in der sich hinter den Horizont zur Ruhe begebenden Sonne, ein excellentes Risotto von den vorhin auf dem Markt gekauften frischen Steinpilzen und Du wirst sehen, wir werden drüber lachen „

„Punkt 1 mein Freund- dieses Schat (Gott ich kann das einfach noch immer nicht aussprechen) je Gedöns ist gestorben, seit genau…“ ich werfe einen belustigten Blick auf meine Uhr „seit genau 7,5 Minuten. Diese komische Sprache kommt mir wenigstens die nächsten drei Monate  nicht über die Türschwelle. Punkt 2, mein herzallerliebster treuester Freund- lass uns Paul anrufen, der tröstet noch immer am Besten. Punkt 3 , klar wir sollten kiten gehen- morgen abend, vorher haben wir allerdings  eine Verabredung in der Hafencity. Schon vergessen? SUP Worldcup und nicht genug das die Schulter einen Hauch zu schwach ist, der Magen noch so einen Wimpernschlag rumpelt, jetzt tut die linke Brust auch noch weh. Super Vorraussetzungen um an einem Worldcup maximalen Spass zu haben. Oskar wir können noch nicht kiten gehen. Punkt 4- wir kommen zu spät, wenn wir uns nicht beeilen. Also los- unterwegs haben wir genug Zeit um Trübsal zu blasen und uns unserer/meiner Melancholie hinzugeben.“

Dieser Satz ‚wir können noch nicht’ bewirkt bei meinem Freund in der Tat eine Reaktion, zumindestens meine ich seine rechte Augenbraue in die Höhe ziehen zu sehen.

„Ui…die beste Medizin darf heute nicht angewandt werden. Schatj….Schätzchen das ist blöde, die einzig wahre Medizin kommt erst morgen zum Einsatz? Tja- dann stell doch schon mal den 43er kalt und  Rum und so. Ich glaube ohne geht’s nicht. Weil Punkt 1- Stand Up Paddeln ist weniger Gedankenspinnen und nicht Loslassen können resistent wie kiten. Punkt 2 Paul anrufen geht nicht- weil Schat….jzchen der schon in Shanghai sitzt und da ist es jetzt mitten in der Nacht. Ich meine ruf Paul an- ich denke nur Inga wird das weniger toll finden, wie Paul und sich nicht so wie Paul darüber freuen, das sie mitten in der Nacht Deine Stimme hört.

Stell den Rum kalt- empfehlung meinerseits.Spätestens heute abend nämlich meine liebe kleine Kitermaus, wirst Du sehen das diese so wunderbar weissgetünchte Tür, nicht so schnell ins Schloss hätte fallen sollen. Zumindest nicht, mit Dir hier und der anderen Seite im Treppenhaus.“

„Quatsch mit Sosse Oskar, Du bist ne Möwe und kein Seelenklempner. In den vergangenen 30 Jahren hat mich nur einer veralbert, da muss jetzt nicht noch ein zweiter daherkommen. Und ich habe es in den vergangenen 30 Jahren gerne konservativ gehalten, so diese zwischenmenschlichen Geschichten. Ich fange doch nicht jetzt an, mich von irgendwelchen pubertär veranlagten  Hühnern in eine Quasisoap bugsieren zu lassen. Mir ist egal wer mit wem , wann, was und wer wem, wie, etwas , wohin, warum mitteilte.  Wer mir was zu sagen hat, kann das tun. Wer mich mag kann das auch tun. Und wer meint mich stellen ‚Ich bin kein schlechter Mensch ‚ Aussagen zufrieden , ohne das mir das bewiesen wird- Oskar…wenn ich jetzt nicht gehe, dann habe ich die nächsten zehn Jahre kaputte linke Brüste!

So! Und jetzt satteln wir Fridolin, schmeissen uns die Regenjacken über und entern das Staffelrennen im Stand Up Paddel Worldcup.“

10 Minuten später schiebe ich das Fahrrad, Fridolin das Fahhrad, auf den Hof. Vom Himmel regnet es Bindfäden, es ist grauer als Novembergrau. Die Stadt rumort freitäglich gestresst vor sich hin. Wie um meine Melancholie noch zu forcieren, hat sich irgendwo über Norddeutschland ein Monstertief eingenistet und schickt Regenmengen ungeahnten Ausmasses in Richtung Erde. Völlig durchnässt komme ich an der Hafencity an. Mechanisch spule ich mein Programm ab, Einschreiben, sortieren, Presse koordinieren, hier ein Lächeln, da für einen Artikel was erzählen, wieder lächeln , paddeln, alle Wut in die Elbe ablassen, das hilft und sorgt zumindest dafür das die Viva con Agua de St. Pauli Staffel nicht als letzte Staffel ins Ziel trudelt, noch einmal lächeln, noch wieder die Presse- irgendwann ein Bier, endlich ein Bier. Es regnet noch immer und es regnet einfach noch viel schlimmer als vorhin. Boardshorts, FlipFlops und die Regenjacke – bei soviel Nass von oben ist das die beste Kleidung.  Mechanisch trete ich die Padale nach Hause. Ich habe weder Lust auf Schokoladeneinkäufe, noch Lust ‚IchMussMichBetäubenShoppen’ zu veranstalten, Kino- Gott! Nein. Ich habe einzig  Lust in Boardshorts an Regenjacke und FlipFlops monoton kräftig in die Pedale zu treten. Urplötzlich zeigt der Himmel eine scharfe Kante. Wie zum Dank das ich noch nicht angefangen habe mit meinen Tränen das Nass des Himmels anzureichern, schält sich die Sonne dahinter hervor. Als hätte es den halben Weltuntergang nicht gegeben hört der Regen auf, macht lustigen Sonnenstrahlen Platz, die meine Nase kitzeln.

So geht es das ganze Wochenende weiter, gefangen zwischen der Gewissheit ganz recht entschieden zu haben und dem Wunsch das ich hätte nicht entscheiden müssen bzw. dem Begehren diese Entscheidung vielleicht zurückzunehmen- verbringe ich das Wochenende. Erneut entscheide ich mich gegen Einsamkeit für Party und für Trubel. Oskar stelzt wutentbrannt zwischen Wohnzimmer und Küche  hin und her. Liest mir die Leviten , von wegen ‚ich solle zur Ruhe kommen, mich auf die wahren Werte besinnen, NonStop Party  hilft Dir auch nicht auf den Boden der Tatsachen zurück zu kehren. Erst als ich ihm androhe den Schnabel zuzubinden, zieht er sich maulend in die Ecke zurück. Verkriecht sich hinter seinem Sessel und schmollt. Verdammt Oskar- Du hast recht. Ich weiss, aber ich will jetzt noch nicht nachdenken und so. Dazu habe ich im Herbst Zeit- vielleicht.

Und weil ich nicht auf Oskar hörte, bin ich dann am Samstag auch nicht mit meinem Kopf zu einhundert Prozent beim Stand Up Paddeln. Pro Heat kommen drei Damen ins Finale, ich habe einen super Start, ich bin  schnell und wieder Erwarten fit, dann kommt die Boje und die Wende- ein Lachen stiehlt  sich in meinen Kopf, eines dieser klaren Lachen, eine Sekunde bin  ich abgelenkt und plumpse ins Wasser. Danach kann ich nur noch aufholen und um ein ganzes Feld von hinten aufzurollen dafür reicht dann die Kraft am Ende nicht mehr aus. Ich ärgere mich selten , Samstag hole ich das ausgiebig nachgeholt.

Ein weiteres Mal trete ich wütend in die Pedalen auf dem Heimweg. Heute nicht wegen eines fehlenden X-Chromosoms namens Hinrich, sondern…naja, eigentlich schon deswegen- weil sich doch sein klares Lachen in meinen Kopf stahl, just in dem Moment, in welchem ich hochkonzentriert zur Sache sprich in die Wende hätte gehen müssen.  

Daheim packe ich meine Sachen und schmeiss den Polo auf den Weg nach Norden- Oskar inzwischen einen Hauch weniger verschmollt im Fond des Autos.  

Mensch Oskar- jetzt rede halt wieder mit mir. Oder sing  asbach uralte Schlager; erzähle mir schlechte Witze- aber rede wieder mit mir’

„Grmmmphhh – wer kann solch Betteleien schon wiederstehen, also gut. Ich glaube Du musst Dich gar nicht beeilen um ans Meer zu kommen“

„Hähhh- warum das denn nicht“

„Weiss nicht – ein Gefühl“

Zwei Stunden später, das Meer, endlos und weit , klar und rein empfängt es mich. Die Wellen schlagen an den Strand, schwarz der Horizont, weiss die Schaumkämme. Schnell umziehen und ab auf aufs Wasser. Inzwischen habe auch ich das Gefühl das was nicht stimmt.

Auf halben Weg zum Strand, dann ein Fehltritt, ein scharfer Schmerz im grossen Zeh, Blut, ein abgerissener Nagel, noch mehr Schmerzen, bester Havana als Desinfektionsmittel und SabinChen die sich wieder in die Jeans schmeisst. Nix mit kiten an diesem Wochenende, stattdessen Zuschauer und kleiner Terrorist. Immer und immer wieder erwische ich mich dabei, mir ein schnelles, brachiales Ende des windes zu wünschen- ich kann so schlecht gönnen, wenn mir die Freiheit auf dem Wasser nicht gegönnt ist. Manchmal kann ich es schlecht. Besonders dann nicht, wenn kiten zum Ventil gerreichen muss.

So schnell, zwei Augenblicke  an einem Wochenende so unvorsichtig und folgenschwer. Der eine verhindert den Finaleinzug, der andere das Frustkiten wegen irgendwelcher komischer Männer und ihrer Hühner und dem verpassten Finaleinzug.

Ich schau Oskar mitten ins Möwengesicht und muss grinsen.

„Alter – Du hast so recht! Wir absolvieren jetzt noch die Party auf die wir geladen sind und ab morgen Abend- versprochen- sind wieder nur wir zwei uns wichtig. Und ich nehme Tempo aus meinem Leben. Ab morgen Abend für die kommenden Wochen gibt es Dich und mich, das Meer, den Wind, die Wellen und die Weite- Versprochen…Schatje.“ Grinse ihn an, dreh mich um und tauche in die letzte Party für einige Wochen ein.

Wie sollte es anders sein, sie endet im Morgengrauen. Ich bin müde und platt- auch wie so oft diesen Sommer und ich bin es überdrüssig- das allerdings das erste Mal diesen Sommer.

PS: Ähnlichkeiten sind manchmal gewollt, meistens jedoch nicht. Vieles ist an den Haaren herbeigezogen, der wesentliche Teil enthält einen Hauch Wahrheit. Es ist eine Geschichte, wie es viele auf dieser Welt gibt- eine Geschichte mit einem Funken….Wahrheit und einem Augenzwinkern

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